4 kleine Worte mit großer Wirkung und Hintergrund

HOCHZEITSREDE : Erinnern wir uns heute an 4 Kleine Worte, die wir üblicherweise schon unseren Kindern beibringen.


Das erste Wort, dass wir oft unbedacht benutzen - JA. Und dieses Ja ist eines der vier Worte, an deren tiefere Bedeutung ich euch erinnern will. Die anderen drei sind: nein, bitte und danke. Ich denke, wenn ihr aufrichtig Ja, Nein, Bitte und Danke sagen könnt, werdet ihr alles erreichen was ihr euch vorgenommen habt.

Beginnen wir mit Ja. Ja ist das erste und das wichtigste Wort. Ja schafft Anfänge. Ja ist das Wort des Anfangs. Alles beginnt damit, dass wir mit ganzem Herzen Ja sagen, zu einem Menschen oder zu einer Sache. Wer Ja sagt, macht aus Möglichkeiten Wirklichkeiten. Ihr gebt heute einer Möglichkeit die Chance Wirklichkeit zu werden, eure Wirklichkeit. Und am Ende werdet ihr selbst zu der Wirklichkeit geworden sein, zu der ihr Ja gesagt habt. Ja, ich will. Das habt ihr heute zueinander gesagt. Das ist das Ja zu einem Weg, der jetzt dadurch entstehen wird, dass ihr ihn geht. Das ist die schöpferische Kraft des Ja. Wenn Ja mit ganzer Kraft gesprochen wird, erschafft es immer etwas Neues, etwas noch nie da Gewesenes, etwas Magisches. Wenn ihr heute und immer wieder Ja zu einander sagen könnt, dann wird dadurch etwas Unzerstörbares geschaffen. Euer Ja zueinander und zur Liebe ist Teil eines riesigen Stroms des Bejahens, der Alles schafft was uns umgibt. Ihr seid Surfer, surft auf dieser Welle des Ja. Das wünsche ich euch!

Lasst nicht zu, dass die Strahlkraft dieses Ja erstickt unter der Staubschicht des Alltäglichen. Um das zu verhindern, werdet ihr noch viele Male Ja sagen müssen, und manchmal auch Nein.

Wenn ihr zu allem Ja und Amen sagt, wird euch die Kraft der schöpferischen Vision ausgehen und der Gleichgültigkeit Platz machen. Dazu braucht es das Nein. Das Nein ist aber ein scharfes Schwert, das man gebrauchen lernen muss, wenn es nicht verletzen soll. Nein, das kann die Klinge sein, die das Lebendige vom Toten trennt. Das Nein trennt und es kann eine Waffe sein. Und Waffen – so sagt es schon das Tao te King – sind unheilvolle Geräte. Ihr müsst daher sehr vorsichtig damit umgehen, nur dann schafft die Kraft des Nein den Raum für die lebendige Begegnung im Ja.

Wozu also sollt ihr Nein sagen? Welche Dämonen gilt es in Schach zu halten, welchen Versuchungen gilt es zu widerstehen? Ich denke da gibt es eine lange Liste von Kandidaten. Ich habe mich für diejenige Auswahl aus dieser Liste entschieden, die unsere christliche Tradition getroffen hat. In dieser Tradition gibt es 7 Widersacher: Trägheit, Neid, Zorn, Hochmut, Habgier, Völlerei und Wollust. Ich möchte diese Auswahl so interpretieren, dass sie 7 Neigungen entspricht, zu denen wir wohl alle immer wieder Nein sagen müssen, wenn wir Ja zum lebendigen Wachstum und zur Liebe sagen wollen.

1 Das Nein zur Trägheit und zur Bequemlichkeit. Dieses Nein verhindert, dass der mühsame Alltag und die vielen tausend Dinge, die uns nerven und ablenken, die Oberhand gewinnen. Das Wunder der Liebe geht schnell unter im alltäglichen Kram. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu bequem werden, um uns aufzuraffen; dass wir immer wieder Orte und Zeiten schaffen, in denen wir den Alltag Alltag sein lassen und unsere Liebe feiern; denn sonst geht

sie scheinbar unbemerkt verloren. Trägheit ist gefährlich, weil sie die Liebe so schleichend umbringt, ganz langsam wie zäher Schleim. Nein. So nicht.

2 Zusammen bleiben bedeutet auch ein Nein zum Neid. Der Neid lauert stets irgendwo und wartet auf seine Chance uns zu suggerieren, dass das Leben anderswo viel schöner wäre; dass unser Leben besser wäre wenn nur nicht,.... Der Neid ist trickreich und zwingt uns immer wieder dorthin zu sehen, wo scheinbar etwas liegt, das besser ist als das was wir gerade haben. Wenn wir nicht Nein sagen, jagen wir ein Leben lang einer Fata Morgana hinterher und erleben nie wie schön es ist Ja zu sagen zu dem, was jetzt gerade ist.

3 Auch den „bissigen Hund“ muss man immer wieder an die Leine nehmen: den bissigen Hund namens Zorn. Ist diese Leine richtig lang, dann beschützt dieser Hund die Häuser die wir bauen. Ist sie zu lang, wird er unkontrollierbar und verletzt andere, ist sie zu kurz, dann wird der Hund immer bösartiger und verletzt am Ende uns selbst. Das Nein zum Zorn will daher wohldosiert sein. Der Hund muss da sein, weil er vor dem Bösen schützt, aber wenn er zu stark wird, wird er selber zu dem Problem vor dem er uns eigentlich schützen sollte; wird er dauernd eingesperrt, beißt er zuletzt seinen Besitzer. Achtet genau darauf, wie lang diese Leine sein darf.

4 Am Gefährlichsten ist der Zorn, wenn er gemeinsam mit einem weiteren Betrüger auftritt: dem Hochmut. Es lässt sich wohl nie ganz verhindern, dass dort wo zwei Menschen eng zusammen sein wollen, auch Verletzungen passieren. Das ist nicht das Ende. Schwierig wird es dann, wenn diese Verletzungen mit Stolz gepaart sind: wenn wir zu stolz sind, auch wieder um Verzeihung zu bitten. Nein; niemand ist perfekt. Nein, ich auch nicht. Bitte verzeih mir. Das ist der beste Schutz vor den Gefahren des Hochmuts.

5 Das Nein zur Habgier ist die tägliche Erinnerung daran, dass kein Mensch und keine Liebe uns je ganz gehört. Nie hat je ein Mensch einen anderen gehabt. Die Liebe lebt davon, dass wir den anderen als freien Menschen würdigen. Ein freier Mensch, der jeden Tag neu entscheidet und Ja zu uns sagt und zu dem wir Ja sagen. Niemand hat niemanden. Niemand ist niemandes Besitz.

6 Das altertümlich anmutende Wort von der Völlerei fehlt ebenfalls nicht in der Liste. Es erinnert daran, dass alles was gut sein soll, Maß und Ziel braucht. Liebe ist kein Konsumgut. Und wenn die Liebe schon durch den Magen geht, wie man sagt, dann sollte sie auf Qualität bedacht sein, nicht auf Quantität. Das Ziel ist nicht mehr und mehr, sondern gut und besser.

Und als 7. und letztes auf dieser Liste steht die Warnung vor der Wollust. Wir leben in übersexualisierten Zeiten; da wirkt ein Aufruf zum Nein in diesem Bereich schnell absurd und lebensfeindlich. Aber vielleicht gerade deswegen drücke ich mich hier nicht davor, daran zu erinnern, dass auch der Körper des anderen ein heiliger Tempel ist, der nur achtsam betreten werden darf. Die körperliche Liebe ist doch nur dann schön und gut wenn sie eben genau beides ist: körperlich und Liebe. Wer nur auf die Befriedigung eines Lustgefühls aus ist, verfehlt beides. Also auch hierzu: Nein.

Ich hoffe, was ich bisher gesagt habe, macht für euch einigermaßen Sinn. Es sind hohe Ziele, klar, aber ich sehe sie eher als Wegweiser denn als Garantiescheine.

Es bleiben noch die beiden anderen Grundworte, die wir schon den Kindern beibringen: Bitte und Danke.


Die Kraft der Bitte ist eine große, aber stille Kraft. Eine Bitte wird gesprochen im vollen Bewusstsein darüber, dass man in der schwächeren Position ist. Es ist vielleicht sogar die Offenbarung dieser Unterlegenheit. Daher erfordert sie Mut. Wer bittet versucht gar nicht erst, seine Verletzlichkeit hinter einer Forderung, einer Erwartung, einem Wunsch oder gar einem Befehl zu verstecken. Das sind alles Versuche mächtig zu scheinen, wo man ohnmächtig ist. Wer „Ich bitte dich“ sagt, ist mutiger. „Ich bitte dich“ bedeutet: Ich weiß ich brauche dich jetzt. Und ich weiß, du weißt, dass ich dich jetzt brauche. Es liegt jetzt bei dir mir zu helfen oder nicht.

Wer diese Worte spricht, weiß um die Stärke in der Schwäche. Weiß, dass man auch durch nachgeben gewinnen kann. Und er gibt dem anderen eine Chance liebevoll zu sein. Eine echte Bitte steht immer genau an der Grenze zwischen dem Leben und dem Tod eines Gefühls. Wird sie wahrhaft gesprochen, öffnet sie das Herz, wer sie übergeht macht aus seinem Herzen eine Mördergrube. Bewahrt euch den Sinn für das „Bitte“.

Und zuletzt, aber nicht als Letztes möchte ich euch an die Kraft des „Danke“ erinnern. Schaut einander an und spürt die Liebe im anderen; schaut euch um und seht wie viele Menschen euch ihren Segen und ihre Unterstützung geben; denkt an all die kleinen Wunder und Erlebnisse, die euch zusammengeführt haben und freut euch auf die vielen Moment innigster Verbundenheit, die noch auf euch warten.... und seid dankbar. Wer Danke sagen kann, nimmt an, was das Leben uns schenkt. Nehmt es an und immer wieder an. Danke. Sagt immer wieder danke. Es tut gut und es erinnert daran, wie reich wir eigentlich alle sind.

Und damit sage auch ich danke. Danke dass ihr alle mir zugehört habt.

Ich sage Ja zum Brautpaar, hoch sollen sie leben, und Nein: Völlerei und Wollust sind nur als Seelendämonen gefährlich, aber nie bei einem Fest der Liebe. Also haut ordentlich rein. Die Liebe will gefeiert werden.

WEGBEGLEITER

Mag. Manfred Rühl

philosophie@wegbegleiter.at